Vasektomie rückgängig machen – Refertilisierung

Nicht jede getroffene Entscheidung ist für die Ewigkeit – das gilt auch für eine Vasektomie. Rund sechs Prozent aller Männer, bei denen eine Sterilisation vorgenommen wurde, ändern ihre Ansicht im Laufe des Lebens und möchten die Vasektomie rückgängig machen. Vor allem veränderte Lebensumstände oder eine neue Partnerin veranlassen sterilisierte Männer mitunter, ihre Entscheidung zu revidieren. Dank dem medizinischen Fortschritt ist es heutzutage in vielen Fällen möglich, eine Vasektomie rückgängig zu machen. Diesen Vorgang bezeichnen Mediziner als Refertilisierung. Dabei werden die durchtrennten Samenleiter wieder zusammengeführt (Vasovasostomie). Allerdings ist eine Operation zur Wiederherstellung der Fruchtbarkeit weitaus komplizierter als eine Sterilisation und gelingt nicht immer.

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Erster Schritt: Voraussetzung für eine Refertilisierung prüfen

Nur wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, kann man die Vasektomie rückgängig machen. Die gilt es vor der Operation sorgfältig zu prüfen. Die wichtigste Grundlage für einen erfolgreichen Eingriff sind intakte Hoden und Nebenhoden, die weiterhin Spermien guter Qualität produzieren.

 

Denn eine Sterilisation unterbindet nicht die Produktion von Spermien – sie unterbricht nur die Verbindung zur Prostata, wo die Spermien in die dort produzierte Samenflüssigkeit gelangen. Doch nicht bei allen Männern ist nach der Vasektomie eine ausreichende Spermienproduktion (Spermiogenese) vorhanden. Bei der Voruntersuchung prüft der Urologe, ob eine ausreichende Durchblutung der Hoden gegeben ist. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss darüber, ob genügend hormonelle Botenstoffe im Blut enthalten sind, die die Spermienproduktion auslösen.

 

Um ganz sicher zu gehen, dass auch die Frau alle Voraussetzungen für eine natürliche Befruchtung und Schwangerschaft mitbringt, ist eine entsprechende Untersuchung im Vorfeld empfehlenswert.

 

Vorgehensweise bei einer Vasovasostomie

Es erfordert besondere Fähigkeiten des Operateurs, um eine Vasektomie rückgängig machen zu können. Warum das so ist, wird klar, wenn wir uns die Behandlungsschritte einmal näher anschauen. Die Samenleiter, die bei dem Eingriff wieder miteinander verbunden werden, sind lediglich einen halben Millimeter dick und bestehen aus äußerst feinen dünnen Gewebestrukturen.

 

Das Vernähen der gekappten Samenleiterenden erfordert nicht nur eine sehr ruhige Hand, sondern auch spezielle mikrochirurgische Präparationstechniken. Deshalb arbeitet der Operateur mit einem Hochleistungsmikroskop mit 20 – 25 facher Vergrößerung. Um die Samenleiter wieder vollständig zu rekonstruieren, kommt eine spezielle Nahttechnik zum Tragen. Nach dem Entfernen der vernarbten Enden werden die Samenleiter in drei Hautschichten, inklusive der hauchdünnen innersten Schleimhaut, mit Mikrostichen vernäht. Der Operateur verwendet dazu feinste selbst auflösende Fäden, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind.

 

Bevor der Chirurg die Samenleiterenden miteinander verbindet, prüft er die Durchgängigkeit der Samenleiter. Dazu untersucht er die austretende Flüssigkeit auf das Vorhandensein von Spermien. Sind im hodennahen Bereich keine Samenzellen zu finden, überprüft der Operateur die einzelnen Samenleiterabschnitte auf eventuelle Verklebungen und versucht sie zu beseitigen. Bei einem Viertel aller Männer gelingt dies nicht. Mitunter sind auch nicht genügend Spermien in der Flüssigkeit vorhanden. In diesen Fällen stellt der Operateur eine direkte Verbindung des Samenleiters mit den Nebenhodenkanälchen her, wo sich in der Regel genug befruchtungsfähige Spermien befinden. Dieses Verfahren bezeichnen Mediziner als Tubulovasostomie.

 

Welche Methode zum Tragen kommt, entscheidet sich letztlich erst während des Eingriffs. Die Operation kann je nach gewähltem Verfahren und individuellen Gegebenheiten 1,5 – 4 Stunden dauern. Da der Patient bei der mikrochirurgischen Operation absolut ruhig liegen muss, erfolgt der Eingriff in Vollnarkose – kann aber ambulant durchgeführt werden.

 

Wie hoch sind die Erfolgschancen?

Wie viele Männer nach einer Vasovasostomie tatsächlich wieder Vater werden, ist vor dem Eingriff nur schwer abschätzen. Hier spielen Umstände wie Befruchtungsfähigkeit der Spermien und Durchlässigkeit der Samenleiter eine Rolle, die sich erst während des Eingriffs ergeben.

 

Was man sagen kann: Die Erfolgschancen verringern sich mit den Jahren, die seit der Sterilisation vergangen sind. In den ersten 5 Jahren nach der Vasektomie liegt die Erfolgsquote mit 95 % und einer Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von 65 % am höchsten. Danach nimmt die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Wege Kinder zu zeugen, kontinuierlich ab. Nach mehr als 15 Jahren liegt sie noch bei 80% respektive 50 %. Die Zeugungsfähigkeit tritt nicht sofort nach dem Eingriff ein. Es kann 3 – 4 Monate dauern, bis sich befruchtungsfähige Spermien im Ejakulat befinden – in Ausnahmefällen sogar länger.

 

Vasektomie rückgängig machen – Risiken und Nebenwirkungen

Neben den üblichen Narkoserisiken können in 1 – 3 % der Fälle Infektionen auftreten. Dieses Risiko lässt sich durch eine vorsorgliche Antibiotikagabe minimieren. Häufig berichten Männer in den ersten Tagen über ein diffuses Druck- und Schmerzgefühl, seltener über Schwellungen, Blutergüsse oder ein leichtes Taubheitsgefühl. In den ersten Tagen nach dem Eingriff sollten Sie sich körperlich schonen und viel liegen. Geschlechtsverkehr und Sport müssen für mindestens zwei Wochen warten.

 

Kein Mann sollte sich schnell entschlossen für eine Vasektomie entscheiden, weil er die spätere Wiederfruchtbarmachung als eine Art Rückversicherung ansieht. Schließlich gelingt es nicht immer, eine Vasektomie rückgängig zu machen. Außerdem handelt es sich um einen aufwendigen Eingriff, der mit erheblichen Kosten verbunden ist.

 

So hoch sind die Kosten für eine Refertilisierung

Eine Vasektomie rückgängig zu machen ist wesentlich komplizierter als eine Sterilisation und erfordert höchste Fachkompetenz. Die Kosten für den mehrstündigen Eingriff sind somit höher als die Vasektomie Kosten und können aus mehreren Gründen stark variieren. So ist im Vorfeld nicht immer abzusehen, welcher operative Aufwand mit der Wiederfruchtbarmachung verbunden sein wird und welches Operationsverfahren (Vasovasostomie oder Tubulovasostomie) zur Anwendung kommt. Wie hoch die Kosten sind, hängt auch von der Erfahrung und Spezialisierung des jeweiligen Urologen ab. Spezialisten auf dem Gebiet der Refertilisierung sind naturgemäß teurer als Urologen, die diesen Eingriff nur gelegentlich durchführen.

 

In die Kostenkalkulation fließen neben dem Arzthonorar noch verschiedene andere Posten ein. Dazu gehören unter anderem:

  • Anästhesiekosten (Narkosemittel, Narkosearzt und Schwester)
  • Nutzung des Operationssaals und technischer Geräte
  • Nahtmaterial
  • Labor- und Personalkosten

 

Auch diese Kosten können je nach Arzt, spezialisiertem Zentrum und technischer Ausstattung ganz unterschiedlich ausfallen. Deshalb ergibt sich ein relativ breites Preisspektrum, wenn es darum geht, eine Vasektomie rückgängig zu machen. Die Kosten liegen zwischen 2.000 und 5.000 Euro.

 

Mögliche Alternativen zur Refertilisierung

 

Hodenbiopsie (TESE MESA)

Wenn eine Vasovasostomie wenig Erfolgschancen hat oder andere Gründe gegen den Eingriff sprechen, hält die Reproduktionsmedizin alternative Optionen bereit, um einen Kinderwunsch zu erfüllen. Dazu gehört eine sogenannte Hodenbiopsie. Dabei entnimmt der Arzt schmerzfrei Gewebe in Größe eines Stecknadelkopfes aus dem Hoden des Mannes. Die darin enthaltenen Spermien werden anschließend für eine künstliche Befruchtung mittels ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) verwendet. Bei dieser Methode injiziert der Reproduktionsmediziner die gewonnenen Samenzellen direkt in eine Eizelle, die der Frau zuvor entnommen wurde. Bei der Frau ist allerdings eine vorherige Hormontherapie erforderlich, die das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften erhöht.

 

Die Gewinnung von Spermien aus dem Hodengewebe kostet etwa 2.500 Euro – ist also ebenfalls mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden, der vom Patienten selbst getragen werden muss. Nur wenn die Entnahme des Hodengewebes im Rahmen einer Krebsvorsorge erfolgt, kommt die Krankenkasse für die Kosten auf.

 

Kryokonservierung von Spermien

Die Kryokonservierung ist eine weitere Möglichkeit, sich auch nach einer Vasektomie einen Kinderwunsch zu erfüllen. Das Verfahren ist einfach: Der Mann lässt seinen Samen bereits vor der Sterilisation einfrieren und lagert ihn in einer Samenbank ein. Kryokonservierte Samenzellen sind auch nach Jahrzehnten noch befruchtungsfähig und stehen zur Verfügung, wenn sich der Mann später doch noch für ein Kind entscheidet. Für die Einlagerung der gefrorenen Spermien fallen monatliche Kosten von 25 Euro an.

 

Refertilisierung gehört in die Hand eines Spezialisten

Eine Vasovasostomie ist kein Routineeingriff und erfordert ein hohes Maß an Fachkompetenz, Präzision und chirurgischem Geschick. Deshalb sollte der Eingriff in der Hand eines versierten Spezialisten mit sehr viel Operationserfahrung auf diesem Gebiet liegen. Nur wer diesen Eingriff viele Hundert Male durchgeführt hat, bringt die nötige Expertise dafür mit. Und Expertise hat auch bei einer Wiederfruchtbarmachung ihren Preis. Deshalb sollten die Kosten nie das einzige Kriterium bei der Arztwahl sein. Schließlich hängen nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die Erfolgschancen maßgeblich vom Können des Operateurs ab.

 

Chancen und Risiken sorgfältig abwägen

Auch eine operative Wiederfruchtbarmachung will gut überlegt sein. Denn nicht immer kann eine Vasovasostomie die Erwartungen erfüllen und den innig gehegten Kinderwunsch wahr machen. Das kann unter Umständen eine seelische Belastung sein, die es zu verarbeiten gilt. Nicht zuletzt entstehen durch den Eingriff hohe Kosten. Deshalb lohnt es sich, schon vor einer Sterilisation die Kryokonservation von Spermien zu erwägen, um sich später ohne Operation einen eventuellen Kinderwunsch erfüllen zu können. Wer sich dazu entscheidet, eine Vasektomie rückgängig zu machen, sollte die Hilfe eines kompetenten Spezialisten in Anspruch nehmen. Er informiert Sie umfassend über persönliche Chancen und Risiken des Eingriffs.

 

Unter unserer Rubrik Vasektomie Zentren finden Sie geeignete Experten und spezialisierte Zentren in Ihrer Nähe, die Sie gerne ausführlich beraten.