Vasektomie – mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Die Vasektomie ist ein unkomplizierter ambulanter Eingriff, der die Zeugungsunfähigkeit des Mannes zum Ziel hat und nur wenige Risiken und Nebenwirkungen birgt. Bei der kleinen Operation, die lediglich örtlicher Betäubung bedarf, durchtrennt der Arzt die Samenleiter und bindet die Enden ab. Die Samenzellen können nicht mehr in das Ejakulat gelangen. Eine Vasektomie verläuft fast immer erfolgreich. Lediglich bei 0,4 % wachsen die Samenleiter spontan wieder zusammen. Die Vasektomie bietet als Verhütungsmethode große Sicherheit und gilt als risikoarm. Trotzdem kann es, wie bei jedem chirurgischen Eingriff, auch hier zu Komplikationen kommen. Doch mit welchen Risiken und Nebenwirkungen ist eine Vasektomie verbunden?

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Das ist vor einer Vasektomie zu beachten

Um Komplikationen zu vermeiden, sind Blut verdünnende Medikamente und bestimmte Diabetesmedikamente im Vorfeld abzusetzen. Wird die Vasektomie in örtlicher Betäubung vorgenommen, können Sie am Tag des Eingriffs normal essen und trinken. Alkohol sollten Sie am Vorabend nur in geringem Maße zu sich nehmen. Aus hygienischen Gründen muss der Schambereich vor dem Eingriff vollständig rasiert sein.

 

Vasektomie Risiken: Welche Gefahren birgt der Eingriff selbst?

Durch die lokale Betäubung ist der Eingriff absolut schmerzfrei. Möglicherweise verspüren Sie ein leichtes Ziehen, das unangenehm aber nicht schmerzhaft ist. Bei der Operation besteht die Gefahr, Gefäße ungewollt zu verletzen – mit entsprechenden Blutungen und Blutergüssen. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr gering und die Blutung kann meist rasch gestillt werden. Wie hoch das Risiko einer Komplikation ist, hängt von der Expertise des Arztes und von der angewandten Methode ab. Eine Vasektomie wird entweder konservativ oder nach dem sogenannten No-Scalpel-Verfahren durchgeführt.

 

Bei der klassischen Vasektomie setzt der Arzt zwei kleine Schnitte im oberen Bereich des Hodensacks, um sich Zugang zu den Samenleitern zu verschaffen. Bei der No-Scalpel-Methode dagegen fließt fast kein Blut. Das Skalpell wird durch ein Instrument ersetzt, das die Haut des Skrotums durchsticht und die Öffnung dann aufspreizt. Entsprechend gering ist hier die Gefahr von Blutungen und einer möglichen Wundinfektion. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 1 %.

 

Der Arzt wird Sie im Vorgespräch genau über mögliche Risiken, Gefahren und Nebenwirkungen aufklären, die im Rahmen einer Vasektomie auftreten können.

 

Das sollten Sie nach dem Eingriff beachten

Auch wenn es sich um einen kleinen Eingriff handelt, sollten Sie danach nicht Auto fahren. Lassen Sie sich am besten von einer Person Ihres Vertrauens begleiten. Wegen erhöhter Infektionsgefahr ist Duschen am Tag des Eingriffs nicht erlaubt. In den ersten 1 – 2 Tagen sollten Sie sich Ruhe gönnen. Danach können Sie problemlos wieder leichte Arbeit verrichten. Körperlich anstrengende Arbeit sowie sportliche Betätigung dagegen sind in der ersten Woche tabu. Mit dem ersten Sex sollten Sie bis zur vollständigen Wundheilung warten. Dies ist nach 7 – 10 Tagen der Fall.

 

Vasektomie Schmerzen: Mögliche Beschwerden danach

Lässt die Betäubung nach, berichten manche Männer über ein leichtes Ziehen in der Leiste. Auch reagiert der Bereich der Samenstränge bei Druck mitunter etwas schmerzhaft. Diese Beschwerden bewegen sich im Rahmen des Normalen und sind unbedenklich. Hochlagern des Hodensacks und Kühlen lindern die Beschwerden. Im Allgemeinen gehören diese Nebenwirkungen nach 2 – 3 Tagen der Vergangenheit an. Zwei von drei Männern leiden nicht unter diesen Beschwerden.

 

Selten kommt es zu Schwellungen des Hodensacks, die mit Blutergüssen, Verfärbungen und starker Druckempfindlichkeit einhergehen. Diese Symptome zeigen sich meist am selben Tag und deuten auf eine Nachblutung hin. Meist hat sich ein verödetes Gefäß wieder geöffnet und blutet in den Hodensack hinein. Ab und an treten Beschwerden beim Wasserlassen auf. Bei diesen Symptomen sollten Sie sich umgehend an den Arzt wenden.

 

Sterilisation beim Mann – allgemeine Komplikationen und Risiken

Mitunter dringen Bakterien in die Wunde ein und es kommt zu einer Wundinfektion. Sie äußert sich in Symptomen wie Rötungen, Schmerzen und Fieber. Wundinfektionen bedürfen einer Behandlung mit Antibiotika. Selten entwickelt sich aus der Wundinfektion ein eitriger Abszess, der gegebenenfalls chirurgischer Behandlung bedarf.

 

Auch einige Zeit nach der Vasektomie können sich unerwünschte Nebenwirkungen zeigen. Die Nebenhoden produzieren weiterhin Samenzellen – wenn auch in geringerem Maße. Da die Spermien den Nebenhodenbereich nicht verlassen können, kommt es zu einer geringfügigen Druckerhöhung. Zwar werden die Samenzellen vom Organismus abgebaut – doch in Einzelfällen weiten sich die Wände der Nebenhoden oder Samenleiter und es entsteht ein Hohlraum. Daraus bildet sich ein sogenanntes Spermagranulom, das als erbsengroße rundliche Verhärtung zu spüren ist. Es hat zwar keinen Krankheitswert und ist nicht behandlungsbedürftig, doch wird es mitunter als störend empfunden. Besonders Männer, die zu überschießender Narbenbildung neigen, leiden gelegentlich an Verwachsungen sowie Knötchenbildung durch Bindegewebswucherungen.

 

Zu den seltenen, aber ernsteren Risiken gehören chronische Schmerzen im Bereich der Hoden und Leiste. Dieses Phänomen bezeichnen Mediziner als Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom. Die Schmerzen können in unterschiedlicher Intensität, gelegentlich oder dauerhaft auftreten. Der Grund für das Auftreten ist noch weitgehend ungeklärt.

 

Vasektomie Nebenwirkungen: Auch die Seele kann betroffen sein

Eine Vasektomie kann nicht nur physische, sondern auch psychische Folgen haben. Manche Männer entwickeln nach der Vasektomie seelische Probleme. Dies betrifft vor allem Männer, die sich bei ihrer Entscheidung für eine Sterilisation nicht zu 100 % sicher waren. Männer begreifen Fruchtbarkeit nicht selten als Teil der sexuellen Identität. Dann kann eine Vasektomie das Selbstwertgefühl negativ beeinflussen. Männer, die ihr Mannsein vor dem Eingriff nicht genau definiert haben, fühlen sich unter Umständen nach einer Sterilisation als nicht mehr vollwertig. Deshalb will eine Vasektomie auch in diesen Aspekten gut überlegt sein.

 

Wie hoch ist das Risiko einer ungewollten Vaterschaft?

Eine ungeplante Schwangerschaft gehört ebenfalls zu den Risiken einer Vasektomie – auch wenn die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering ist. Generell bietet die Vasektomie äußerst große Sicherheit in der Empfängnisverhütung. Das belegt auch der Pearl-Index von 0,1 – 0,3. Er gibt an, wie viele Frauen von 100 über einen Zeitraum von 12 Monaten bei einer Verhütungsmethode schwanger werden. Je niedriger die Zahl, desto sicherer die Methode. Im Vergleich: Die Pille gilt mit einem Pearl-Index von 0,2 – 2 bei der Frau als sicherste Empfängnisverhütung.

 

Das Risiko, trotz Sterilisation Vater zu werden, ist in den ersten Monaten nach dem Eingriff am größten. Denn der Mann ist nicht sofort nach der Vasektomie zeugungsunfähig. Die Samenleiter sind zwar durchtrennt – doch es können sich noch für Wochen und Monate fruchtbare Spermien in den Samensträngen befinden. Erst wenn bei zwei aufeinanderfolgenden Spermiogrammen in der Nachkontrolle keine Spermien mehr gefunden werden, ist die Gefahr gebannt. Bis zu diesem Zeitpunkt muss verhütet werden.

 

In sehr seltenen Fällen vereinen sich die durchtrennten Samenstränge wieder und es gelangen erneut Spermien in das Ejakulat. Dies geschieht statistisch gesehen bei einem von 1.000 Männern. Eine sogenannte Rekanalisation ist in den 3 Monaten nach der Vasektomie am wahrscheinlichsten. Dank routinemäßiger Nachuntersuchungen bleibt eine Rekanalisation in den ersten 3 Monaten nicht unbemerkt. Nach diesem Zeitraum ist eine spontane Wiedervereinigung nahezu ausgeschlossen.

 

Hat eine Sterilisation Auswirkungen auf die Männlichkeit?

Viele Männer fürchten, dass sich nach einer Vasektomie etwas an ihrem Sexualleben ändern könne. Diese Sorge ist verständlich, aber unbegründet. Weder Potenz und Erektionsfähigkeit noch Lustempfinden und Orgasmusfähigkeit werden durch eine Vasektomie negativ beeinflusst. Ein Mann ist nach einer Sterilisation nicht weniger Mann als zuvor. Auch der Samenerguss verändert sich nach dem Eingriff kaum – weder vom Aussehen noch von der Menge. Das hat damit zu tun, dass die Spermien nur etwa 5 % des Samenergusses ausmachen. Das Ejakulat besteht hauptsächlich aus einer Flüssigkeit, die vorwiegend in der Prostata gebildet wird. Auch an der Hormonproduktion ändert sich nichts – der Testosteronspiegel bleibt nach einer Sterilisation unverändert.

 

Besteht die Gefahr eines erhöhten Risikos für Prostatakrebs?

Immer wieder ist zu lesen, dass eine Vasektomie ein erhöhtes Risiko mit sich bringe, an Prostatakrebs zu erkranken. Diese These nimmt Bezug auf frühere Untersuchungen, die Anzeichen für eine leichte Risikoerhöhung bei sterilisierten Männern ergaben. Neueste Studien haben dies jedoch eindeutig widerlegt. Sie zeigen, dass es keinerlei Anhaltspunkte für ein erhöhtes Risiko nach einer Vasektomie gibt.

 

Kinderwunsch nach der Sterilisation

Was geschieht, wenn ganz unverhofft ein erneuter Kinderwunsch entsteht? Ganz auszuschließen ist das nie – denn mit veränderter Lebenssituation kann sich auch die Sicht auf die Dinge ändern. So können eine neue Partnerin oder der Verlust eines Kindes Beweggründe sein, erneut Vater werden zu wollen.

 

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, die Zeugungsfähigkeit durch einen operativen Eingriff wiederherzustellen. Eine sogenannte Refertilisierung gelingt allerdings nicht immer. Zudem handelt es sich um einen komplizierten Eingriff, der mit erheblichen Kosten verbunden ist. In den ersten 5 Jahren nach der Sterilisation ist die Prognose noch relativ günstig. Hier gelingt es zwar zu 95 % die Samenleiter wieder zu verbinden – die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft liegt jedoch nur bei 65 %. Je mehr Zeit nach der Vasektomie vergeht, desto geringer werden die Chancen. Deshalb sollten Männer die theoretische Möglichkeit einer Wiederfruchtbarmachung nicht als Hintertürchen bei der Entscheidung für eine Sterilisation betrachten.

 

Eine Vasektomie ist keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen – denn meist ist es eine Entscheidung fürs Leben. Wenn sich die Sterilisation im Nachhinein nicht als falsch herausstellen soll, erfordert sie reifliche Überlegung, bei der alle Aspekte eines solchen Eingriffs durchdacht sein wollen.

 

Sterilisation bei Mann oder Frau – Risiken und Nebenwirkungen im Vergleich

Nicht selten sind Paare im Zweifel, wer von den Partnern sich sterilisieren lässt – Mann oder Frau. In diese Überlegungen sind auch Aspekte wie Risiken und Nebenwirkungen beim jeweiligen Eingriff mit einzubeziehen. Hier wiegt eine Sterilisation der Frau weit schwerer, denn sie birgt deutlich mehr Risiken für die physische und psychische Gesundheit. Während es sich bei der Vasektomie um einen kurzen ambulanten Eingriff mit Lokalanästhesie handelt, ist eine sogenannte Tubenligatur weit komplexer und wird unter Vollnarkose durchgeführt. Hier sind nicht nur Narkoserisiko, mögliche Wundheilungsstörungen sowie Störungen der Monatsblutung zu nennen. Nicht selten stellen die Eierstöcke nach einer Sterilisation ihre Funktion ein – mit schwerwiegenden Folgen. Die Frau tritt vorzeitig in die Menopause ein und trägt unter anderem ein erhöhtes Risiko, an Knochenschwund (Osteoporose) zu erkranken.

 

Positive Nebeneffekte einer Vasektomie

Männer, welche die Sterilisation ohne das Auftreten von Vasektomie Nebenwirkungen durchführen gelassen haben, berichten über ein verbessertes Sexualleben. Die Angst, ungewollt ein Kind zu zeugen, ist nach der Vasektomie verschwunden. Danach können viele Männer sich besser auf ihre Sexualpartnerin einlassen.

 

Fazit

Wie auch immer die Entscheidung ausfällt – sie will gut überlegt sein. Doch nicht immer hat die Entscheidung Bestand. Mitunter ändert sich der Lebensplan. Um später einen möglichen Kinderwunsch erfüllen zu können, ist eine Kryokonservierung – also ein Einfrieren von Samenzellen – vor der Sterilisation durchaus eine Überlegung wert. Vielen Männern tut diese Sicherheit gut und macht die Entscheidung für eine Vasektomie leichter.

 

Risiken und Nebenwirkungen werden auch bei einer Vasektomie nie auszuschließen sein. Allerdings lassen sie sich durch die Auswahl eines erfahrenen Facharztes minimieren. Qualifikation und viel Erfahrung sind wichtige Voraussetzungen für einen komplikationslosen Eingriff. Erfahrung spielt auch beim beratenden Vorgespräch eine entscheidende Rolle. Wer viele Male eine Vasektomie durchgeführt hat, kennt sich nicht nur bestens mit dem Eingriff, sondern auch mit den Sorgen und Bedenken der Männer aus. Auf unseren Seiten finden Sie Urologen mit Expertise in Ihrer Stadt, die Sie umfassend zum Thema Vasektomie beraten.